In der Nacht fand ich natürlich keinen Schlaf, die Hitze in der Wohnung machte es ebenfalls nicht leichter, denn wie auf Knopfdruck waren die Temperaturen in den letzten beiden Tagen erheblich nach oben geklettert und der Sommer hatte Einzug gehalten. Kurz nach Mitternacht schleppte ich mich auf die Terrasse und nahm das Handy in die Hand. Vincents Nummer hatte ich wieder abgespeichert, doch er hatte sich bisher nicht weiter gemeldet. Ohne darüber nachzudenken öffnete ich das Chatprogramm.

Mara
Woher wusstest auf der Party, dass ich mitmachen würde?

Nur wenige Sekunden später kam tatsächlich seine Antwort.

Vincent
Hey Mara, schön von dir zu lesen. Kannst du nicht schlafen? Liegt es an der Wärme oder an unserem Zusammentreffen heute Nachmittag?
Zu deiner Frage: ich wusste es nicht, es war nur ein Versuch. Hättest du mir ein deutliches Nein zu verstehen gegeben, wäre ich verschwunden. Aber ich habe deinen Blick gesehen, als du die Paare beobachtet hast und alles auf eine Karte gesetzt … und gewonnen. Und irgendwie hast du etwa ausgestrahlt …  

Danach folgten ein paar Links zu diversen Internetseiten. Anscheinend die, die er für sinnvoll erachtete. Etwas ausgestrahlt? Hatte ich unbewusst irgendwelche versteckten Signale ausgesendet? Leider war es jetzt, Tage später, müßig darüber nachzudenken. Ich konnte mich nicht erinnern.

Vincent
Kann ich dir ansonsten vielleicht ein paar Fragen beantworten?

 Mara
Ich glaube nicht.

Vincent
Was auch immer das Ergebnis sein wird. Es ist vollkommen okay. Denk immer daran.

 Ich schnaubte abfällig, wusste aber, dass er es nur gut meinte. Als Herr der Lage hatte er natürlich leicht reden.

Mara
Du bist ein Mann, da ist es einfach sowas zu sagen.

 Vincent
Nein, auch da ist es nicht so einfach, wie du dir das denkst. Mein Angebot steht: wenn du mehr wissen willst, dann melde dich einfach.  

Schneller als ich denken konnte, tippte ich eine Nachricht ein.

Mara
Ja, okay. Danke.

Die Antwort kam natürlich prompt.

Vincent
Vielen Dank für dein Vertrauen, welches du mir ja auf der Party schon geschenkt hast. Und nun schlaf gut.

Ich hatte keine Ahnung, warum und wieso. Aber sein letzter Satz hinterließ ein Grinsen in meinem Gesicht und mein Gefühlschaos legte sich schlagartig. Ich fühlte mich in dieser Sekunde beschützt und behütet, obwohl ich Vincent doch gar nicht wirklich kannte.
Was allerdings das Verrückteste war: ich schaltete das Handy tatschlich aus und ging ins Bett, schlief sofort ein und erwachte am nächsten Morgen halbwegs ausgeschlafen und fit.

Inzwischen glaubte ich ihm, dass die Frau weder seine Freundin noch seine Frau war. Wäre es so, dann wäre ihm sicher nicht daran gelegen weiteren Kontakt mit mir zu haben und er hätte mich gar nicht erst angesprochen. Momentan war alles noch ziemlich verwirrend, doch wenn die Gedanken einmal anfangen zu rennen, gibt es keinen Halt mehr. Es war, als wenn Vincent einen Schalter in mir umgelegt hatte. Nun wollte ich tatsächlich wissen, was wirklich hinter dieser ganzen Dominanz – Unterwerfungsgeschichte steckte. Ich war mir zwar bewusst, dass ich es gut fand, wenn der Mann sagte, wo es langegehen sollte und die Führung übernahm.
Doch wollte ich gefesselt werden?
Mochte ich Schmerzen?
Was hatte das mit diesen Strafen auf sich? Wollte ich gemaßregelt werden? Dann würde mein Partner vermutlich alle Hände voll zu tun haben, denn ein großes Mundwerk hatte mir in der Vergangenheit nicht immer Glück beschert.Daher war ich auch eher ein Einzelgänger, brütete stundenlang über neuen Entwürfen für Kleider und suchte nach passenden Stoffen und Inspirationen im Internet. Dass es mich kickte, vor anderen Sex zu haben, hätte ich bis dato niemals geahnt. Mittlerweile war ich immerhin schon soweit, dass ich zugeben konnte, dass mir die Party gefallen und ich berauschenden Sex gehabt hatte. Für meine Verhältnisse war das ein großer Schritt und ich war stolz drauf.

Das Handy signalisierte mir eine eingehende Nachricht, als ich gerade den Laden aufschloss.

Vincent
Guten Morgen
Mir ist gestern aufgefallen, dass ich noch etwas von dir habe.

Darunter war ein Bild zu sehen und beinahe hätte ich mein Handy fallen gelassen.
Das hatte ich völlig vergessen!
Auf dem Foto war mein Höschen zu sehen, welches frech von seinem Finger baumelte.
Schnell tippte ich eine Nachricht.

Mara
Das kannst du behalten, ich habe mehrere davon.

Eigentlich ärgerte es mich schon, denn es war ein exquisites Teil und hatte eine Menge Geld gekostet. Wenn ich auch sonst eher auf bequeme Klamotten stand, bei Unterwäsche wurde ich leider regelmäßig schwach. Doch das würde ich Vincent ganz sicher nicht sagen.

Vincent
Es hat aber Sehnsucht nach dir. Wann hast du heute Feierabend? Dann bringe ich es dir vorbei und wir könnten etwas essen gehen. Vielleicht wirst du da ja schon ein paar Fragen los.

Was? Nein!
Ich wollte doch gar nicht mit ihm essen gehen. Doch ich ahnte, dass er eine Ausrede dieses Mal nicht gelten lassen würde, zumal ich tatsächlich am Abend nichts vorhatte. Also fügte ich mich meinem Schicksal, allerdings nicht ohne Gegenkommentar.

Mara
Ist dir einmal in den Sinn gekommen, dass ich heute Abend schon etwas vorgehabt haben könnte? Aber okay, ich habe siebzehn Uhr Feierabend.

Vincent
Wenn du wirklich etwas ganz Wichtiges vorgehabt hättest, würde jetzt kein Grinsen in deinem Gesicht zu sehen sein.
Ich freu mich. Bis später.

Was?
Irritiert schaute ich mich im Laden um, doch hier war niemand. Auf der Straße davor befanden sich momentan noch sehr wenige Menschen, ich konnte niemanden erkennen, der zum Laden sah. Beobachtete er mich etwa?
Leider hatte er aber recht und ich lächelte wirklich, während sich das warme Gefühl in meinem Bauch erneut einstellte. Das musste sofort aufhören. Die Kunden würden ja denken, ich hätte irgendwelche Pillen geschluckt.

Mein Feierabend kam viel zu schnell und ich für meinen Teil hätte mir noch ein paar Kundinnen mehr gewünscht. Doch Punkt siebzehn Uhr stand Vincent im Laden und machte überhaupt kein Geheimnis daraus, dass wir verabredet waren. Zum Glück zog er nicht auch noch den Grund des Treffens aus seiner Jackentasche.
Judith fielen beinahe die Augen aus und ich wusste, dass ich morgen um ein Verhör nicht drumherum käme.
»Schön, dass du mit mir essen gehst«, begrüßte er mich, als ich vor ihm stand. Leider trug ich noch mein Arbeitsoutfit, was Vincent natürlich bemerkte, doch das konnte ich nun nicht ändern.
»Magst du dich vielleicht noch umziehen? Hier im Laden gibt es doch sicher etwas Passendes?« Er schaute sich bereist suchend um.
»Nein, nein, lass nur. Das ist sowieso nicht so mein Stil«, wiegelte ich ab und wollte den Laden schon verlassen, als ich ihn nach einem Kleid greifen sah.
Es war eher schlicht und zählte zu meinen Lieblingsmodellen, für die ich selbst aber wie bereits erwähnt keine Verwendung hätte. Außerdem passte ich wahrscheinlich sowieso nicht in die Größe.
»Was ist denn damit?«, fragte er so laut, dass auch Judith aufmerksam wurde und zu uns trat.
»Nein, wir dürfen keine Modelle aus dem Laden anziehen«, suchte ich nach einer Ausrede.
»Das ist doch Quatsch«, mischte sich Judith ein. »Es würde dir perfekt stehen, denke ich.«
Ich warf meiner Kollegin wütende Blicke zu, doch sie ignorierte diese einfach, setzte stattdessen ihr breitestes Lächeln ein.
»Na komm, ich helfe dir auch. Welche Größe ist das denn?«
Damit trat sie zu Vincent und schnappte sich das Kleid.
»Perfekt, das müsste passen«, stellte sie fest, griff danach einfach meinen Arm und zog mich in die Umkleide. Vincent beobachtete uns mit einer gewissen Freude, ich hingegen hätte ihm diese lieber um die Ohren gehauen.
»Judith, was machst du denn da? Die Chefin bringt mich um, wenn sie das erfährt«, raunte ich meiner Kollegin zu, als wir allein waren.
»Warum sollte sie denn davon erfahren? Wir lassen es reinigen und hängen es wieder in den Laden. Es ist doch sowieso nur das Probestück, das machen wir mit denen doch regelmäßig. Wenn sie fragt, dann hat eine Kundin eben aus Versehen Lippenstift drauf verteilt. Na los, komm schon«, erklärte sie einfach und hielt mir ungeduldig das Kleid vor die Nase.
Vor mich hin brummend zog ich also Bluse und Rock aus und schlüpfte in das Kleid. Es war unfassbar leicht aus blauem Chiffon. Kleine weiße Schmetterlinge waren über den Stoff gestreut, oben war es eng, unten befand sich ein weit schwingender Rock. Es ging mir perfekt bis zu den Knien und ein Blick in den Spiegel offenbarte mir ein ungewohntes, dennoch sehr hübsches Bild.
»Ich wusste es«, freute sich Judith. »Es ist wie für dich gemacht.«
»Jetzt fehlt nur noch der Kürbis, der zur Kutsche wird«, gluckste ich und wir mussten beide kichern.
»Und nun los, solche Typen warten nicht ewig.«
Damit schob sie den Vorhang zur Umkleide bei Seite und ich trat hinaus.

Vincent telefonierte gerade mit dem Rücken zu mir, als ich näher an ihn heran trat. Er drehte sich plötzlich um und stockte mitten im Satz.
»Ich rufe dich dann zurück«, vertröstete er seinen Gesprächspartner. Er legte den Kopf schief, so wie es anscheinend seine Eigenart war, wenn er nachdachte, dann schlich sich erneut dieses Grinsen ins Gesicht.
»Du siehst fantastisch aus. Lass uns gehen«, damit griff er einfach nach meiner Hand und ging Richtung Tür. Judith reichte mir noch schnell meine Tasche und eine Stola, falls es abends zu kalt werden sollte, immerhin hatten wir erst Anfang Mai, und schon waren wir draußen.

 

…. to be continued …

 

keine Sorge, bald bekommt ihr die gesamte Geschichte zu lesen. 🙂